Venezuela Doppelbeben: 589 Tote, 2.980 Verletzte - Humanitäre Krise in politisch instabiler Lage | Langit Eastern
Zwei schwere Erdbeben der Stärken 7,2 und 7,5 erschütterten Venezuela am Mittwoch (24. Juni) innerhalb von weniger als einer Minute. Die Zahl der Todesopfer ist auf 589 gestiegen, 2.980 Menschen wurden verletzt. Das zweite Beben war das stärkste seit 1900. Interimspräsidentin Delcy Rodríguez rief den Notstand aus, während internationale Rettungsteams aus den Niederlanden, der Schweiz, Mexiko und El Salvador eintreffen.

Venezuela erlebt die schwerste seismische Katastrophe seiner modernen Geschichte. Zwei schwere Erdbeben—ein sogenanntes Doublet-Ereignis—trafen die nördliche Region des Landes am Mittwochabend innerhalb von 39 Sekunden. Laut USGS hatte das erste Beben eine Stärke von 7,2, gefolgt von einem zweiten mit 7,5, dessen Epizentrum 28 km südöstlich von Yumare im Bundesstaat Yaracuy lag. Beide Beben waren mit weniger als 30 km Tiefe sehr oberflächennah, was die Zerstörungskraft erheblich verstärkte.
Der Küstenstaat La Guaira ist am schwersten betroffen. Satellitenbilder des US-Raumfahrtunternehmens Vantor zeigen sechs vollständig eingestürzte Hochhauskomplexe. Die beiden Hauptkrankenhäuser des Staates sind laut Dr. Franklin Rodriguez, der von Caracas nach La Guaira reiste, „völlig überlastet" und leiden unter kritischem Mangel an Medikamenten und medizinischer Versorgung. Viele Opfer liegen noch unter den Trümmern, während die Rettungsarbeiten die ganze Nacht andauern.
Die Katastrophe trifft Venezuela in einer ohnehin fragilen politischen Phase. Weniger als sechs Monate nach der Festnahme von Nicolás Maduro durch US-Streitkräfte wird das Land von Interimspräsidentin Delcy Rodríguez regiert. Oppositionsführer Leopoldo López bezeichnete Venezuela aus dem Exil in Spanien als „gescheiterten Staat", der unter dem „parallelen Zusammenbruch der Infrastruktur und der Unfähigkeit des Staates" leide. Die Zivilgesellschaft springt dort ein, wo der Staat versagt—Nachbarn graben mit bloßen Händen nach Verschütteten.
Internationale Hilfe läuft an. Ein niederländisches Rettungsteam mit 65 Einsatzkräften und 8 Suchhunden ist vom Luftwaffenstützpunkt Eindhoven gestartet. Die Schweiz entsandte 80 Rettungskräfte mit 18 Tonnen Ausrüstung. Mexiko und El Salvador haben ebenfalls Teams geschickt. Das US Southern Command bestätigte die Ankunft von Generalmajor Kevin Jarrard in Caracas zur Koordinierung der Unterstützung. Die Internationale Such- und Rettungshundeorganisation (IRO) entsendet sechs Hundeführerteams. UN-Nothilfekoordinator Tom Fletcher betonte, dass diese Katastrophe „eine internationale globale Antwort erfordert".
Ausländische Opfer wurden bestätigt: drei spanische Staatsbürger tot, 99 vermisst, neun Portugiesen tot, zwei Chinesen tot sowie brasilianische und italienische Opfer. Die Beben ereigneten sich entlang der San-Sebastián-Verwerfung, die sich 100-200 km entlang der venezolanischen Küste erstreckt. Dr. Amy Gilligan von der University of Aberdeen erklärt, dass Gebiete auf weichen Sedimenten stärkere Erschütterungen erfahren als solche auf festem Grundgestein, was die weitreichenden Schäden erklärt.
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